Haarausfall: Zu welchem Arzt soll ich gehen?

Zu welchem Arzt bei Haarausfall?Wer sich jahrelang über eine gesunde und dichte Haarpracht freuen durfte und nun einen plötzlich auftretenden Haarausfall beobachten muss, reagiert verständlicherweise geschockt. Die Ursachen dafür können so komplex sein, dass es kaum möglich ist, selbst etwas gegen den Haarverlust zu unternehmen. Ohne ärztliche Hilfe wird es schwierig, das Problem in den Griff zu bekommen. Doch zu welchem Arzt geht man, wenn das Haupthaar immer lichter wird und welche Behandlungsmöglichkeiten stehen zur Verfügung? Wir klären in diesem Ratgeber auf.

Plötzlich auftretender Haarausfall: Wann muss ich zum Arzt?

Von Haarausfall spricht man erst dann, wenn ein deutlicher Unterschied zwischen nachwachsenden und abgestoßenen Haaren erkennbar ist. Fallen täglich mehr als 100 Haare aus, spricht der Arzt von Haarausfall. In der Regel sind die Grenzen fließend. Der normale Haarausfall lässt sich nur schwer vom übermäßigen Haarausfall unterscheiden. Denn in der Regel verlieren wir etwa 80 Haare pro Tag, was sich auf den ganz normalen Lebenszyklus unserer Haare zurückführen lässt. Fallen die Haare gleichmäßig über den ganzen Kopf verteilt aus, ist dies kein Grund zur Beunruhigung.

Anders verhält es sich, wenn die Haare plötzlich und im extremen Maße ausfallen. Sobald ein Teil des Kopfes einen plötzlich auftretenden Haarausfall aufweist und dieser mehr als 60 Prozent der ausgefallenen Haare betrifft, spricht der Mediziner von einer Alopezie. Dann ist es höchste Zeit zum Arzt zu gehen. Zahlreiche Krankheiten und/oder die Einnahme von Medikamenten können dafür sorgen, dass die Haare plötzlich und extrem ausfallen. Dies ist ein Alarmsignal des Körpers und bedarf dringend ärztlicher Behandlung.

Merke: Ein Haarverlust von 80 bis 100 Haaren pro Tag ist normal. Diese Anzahl an verlorenen Haaren wächst ebenso gleichmäßig wieder nach.

Zu welchem Arzt muss ich gehen?

Der Hautarzt ist dein erster Ansprechpartner, wenn du feststellst dass du täglich 100 oder mehr Haare verlierst. Dies hat den einfachen Hintergrund, dass die Haarwurzeln in deiner Kopfhaut verankert sind. Dermatologen, also Hautärzte sind deshalb deine ersten Ansprechpartner, wenn es darum geht die Ursachen zu klären. Im ersten Anlauf ist es sehr wahrscheinlich, dass der Hautarzt dich bitten wird, deine ausgefallenen Haare zu zählen. Und zwar über einen Zeitraum von mehreren Tagen. Wenn du also aufgrund von überfüllten Praxen länger auf einen Termin warten musst, kannst du die Zeit nutzen, um deine Haare zu zählen. Das ist zwar mühselig, aber notwendig. Kämme deine Haare wie gewohnt und ziehe die ausgekämmten Haare aus der Bürste, um deren Anzahl zu bestimmen. Die Haare wirfst du nicht weg, sondern bringst diese zur Untersuchung mit.

Tipp: Tagsüber kannst du ein Haargummi locker tragen, so geht kein Haar verloren und du kannst alle erfassen.

Eigenanamnese als Unterstützung für den behandelnden Arzt

Notizen für Eigenanamnese bei HaarausfallAußerdem kannst du während der Wartezeit eine Anamnese erstellen, welche dem Arzt behilflich ist, der Ursache auf den Grund zu gehen. Überlege dir ganz genau, welche Änderungen du in der letzten Zeit vorgenommen hast und notiere diese! Hast du Medikamente verabreicht bekommen oder deine Ernährung umgestellt? Leidest du unter Stress oder sind dir gesundheitliche Einschränkungen aufgefallen? Zudem solltest du deine Verwandten und insbesondere deine Eltern befragen, ob Haarausfall in deiner Familie ein Thema ist.

Da die Terminvergabe bei vielen Fachärzten mit einer entsprechenden Wartezeit verbunden ist, bietet es sich parallel an noch weitere Ärzte zu kontaktieren und um einen Termin zu bitten. Für die Diagnostik kommt beispielsweise auch der Endokrinologe in Frage. Die Endokrinologie befasst sich mit der Funktion und der Beschaffenheit von endokrinen Drüsen, also Drüsen mit innerer Sekretion. Damit werden alle Krankheitsfelder abgedeckt, welche sich auf hormonproduzierende Drüsen beziehen:

Der Endokrinologe kann dir die passende Therapie anbieten, wenn deinem Haarausfall folgende Ursachen zugrunde liegen:

  • Psychische Belastungen
  • Einnahme von Medikamenten
  • Erblich bedingte Weitergabe durch die Eltern
  • Vorangegangene Erkrankungen oder Operationen

In Bezug auf potentielle Behandlungen unterscheiden sich die Endokrinologie und die Dermatologie nur unwesentlich. Beide Ärzte werden eine Untersuchung der Haarwurzeln anstreben, um der Ursache für den vermehrten Haarausfall auf den Grund zu gehen.

Aber auch der Gynäkologe kann dir dabei behilflich sein, den Haarausfall auf ein natürliches Niveau zu regulieren. Zumindest, wenn es sich um einen hormonell bedingten Haarverlust handelt. Insbesondere bei Frauen stellt der Gynäkologe die passende Anlaufstelle dar, da Störungen des Hormonhaushaltes zu den häufig auftretenden Gründen für vermehrten Haarausfall zählen. Der Arzt misst dazu den weiblichen Hormonspiegel und versucht dadurch herauszufinden, ob eine Hormonerkrankung vorliegt oder ob eine Mangelerscheinung in Bezug auf wichtige Nährstoffe erkennbar ist. Ein Eisen- oder Zinkmangel zählt zu den häufigen Ursachen für vermehrten Haarausfall und ist oft bei Vegetarierinnen und Veganerinnen zu beobachten.

Der Hausarzt kann ebenfalls dabei behilflich sein, der Ursache auf den Grund zu gehen. Zum Beispiel, wenn eine schwere Erkrankung wie zum Beispiel eine Lungenentzündung vorliegt oder wenn der Haarverlust als Nebenwirkung einer radikalen Diät in Erscheinung tritt. Und nicht zuletzt können auch blutverdünnende Medikamente oder Betablocker als Ursache in Frage kommen.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache für den Haarausfall und kann deshalb sehr unterschiedlich ausfallen. Häufig ist es bereits ausreichend, die Lebensgewohnheiten zu ändern. Das betrifft vor allem die Ernährung. Aber auch der Verzicht auf Nikotin kann den lästigen Haarausfall in vielen Fällen stoppen. Zum Teil kommen aber auch radikalere Änderungen in Frage, wenn es darum geht nicht noch mehr Haare zu verlieren. Zum Beispiel Veränderungen in puncto Beruf und Freizeitgestaltung.

Diese Änderungen kannst du auch ohne ärztlichen Beistand vornehmen. Anders verhält es sich, wenn es erforderlich ist bestimmte Medikamente wie zum Beispiel Betablocker abzusetzen. Hier bist du auf die Unterstützung des Arztes angewiesen, welcher dir vermutlich ein Ersatzmedikament verabreichen wird, welches weniger Nebenwirkungen mit sich bringt.

Haarausfall stoppen mit medikamentösen Behandlungen

Verschreibungspflichtige Medikamente bei HaarausfallMinoxidil ist ein Medikament, welches bei Haarausfall eingesetzt wird. Zumindest, wenn es sich um kreisrunden Haarausfall handelt. Das Präparat ist eigentlich ein Blutdrucksenker, zeigt jedoch Erfolge wenn es darum geht einen verstärkten Haarwuchs auszulösen. Auch dieses Medikament ist verschreibungspflichtig und nicht ohne ärztliche Unterstützung erhältlich. Allerdings haben Forscher den Wirkstoff aufgegriffen, um daraus eine Haartinktur herzustellen, welche der äußeren Anwendung dient und aktuell als die wirksamste Therapie für Frauen mit erblich bedingtem Haarausfall gilt. Aber auch bei diesem Präparat musst du abwägen, ob es sich lohnt die Nebenwirkungen in Kauf zu nehmen:

  • Rötungen
  • Juckreiz
  • Entzündungen
  • Verstärkter Haarwuchs im Gesicht
  • Beschleunigter Herzschlag
  • Gewichtszunahme

Diese Nebenwirkungen treten in der Regel nur dann auf, wenn die Kopfhaut nicht intakt ist und beispielsweise kleine Risse aufweist. Dann gelangt die Tinktur in den Blutkreislauf und kann die genannten Begleiterscheinungen auslösen.

Etwas unkonventioneller ist die Behandlung mit Dithranol, einem Medikament, welches bei Schuppenflechte eingesetzt wird. Es handelt sich dabei um einen hautreizenden Wirkstoff, welcher bei kreisrundem Haarausfall auf die kahlen Stellen aufgetragen wird. Diese Behandlung dient dazu neues Haarwachstum durch Hautirritationen anzuregen. Die Nebenwirkungen können allerdings sehr unschön ausfallen, da sich die Haut braun verfärben kann. Des Weiteren können sich insbesondere blonde und braune Haare verfärben. Auch allergische Reaktionen sind mit Dithranol nicht ausgeschlossen.

So paradox es auch klingen mag, aber kreisrunder Haarausfall wird zum Teil mit Kortison behandelt. Der Wirkstoff wird in Form von Lösungen oder Cremes auf die kahlen Stellen aufgetragen. Bei manchen Patienten wird damit tatsächlich neuer Haarwuchs angeregt, während die Haare bei anderen Patienten mit der Kortison-Behandlung erstrecht ausfallen. Tückisch: Wird die Behandlung mit Kortison gestoppt, fallen die Haare wieder aus. Kortison kann auch in Form von Tabletten zugeführt werden, In einigen Fällen spritzt der Arzt das Medikament direkt in die kahlen Stellen des Kopfes.

Eine weitere Behandlung welche nur durch den Arzt erfolgen kann, definiert sich über die sogenannte „Topische Immuntherapie“. Auch dieser Behandlungsansatz zielt auf kreisrunden Haarausfall ab und wird deshalb primär bei männlichen Patienten gewählt. Dazu wird der Wirkstoff Diphencypron aufgetragen, um eine allergische Kontaktdermatitis auszulösen. Diese Behandlung erfordert jedoch regelmäßige Wiederholungen, weshalb immer wieder der Gang zum Arzt erforderlich ist. Ziel ist es die Immunzellen davon „abzulenken“, die Haarwurzeln anzugreifen und die Fehlsteuerung des Immunsystems zu beeinflussen. Überschießende Ekzeme sind bei dieser Behandlung keine Seltenheit, weshalb die Therapie nur durch speziell geschulte Ärzte erfolgen sollte.

PUVA ist die Abkürzung für „Psoralen plus UV-A“. Dabei handelt es sich um die sogenannte Photochemotherapie, welche ebenfalls auf kreisrunden Haarausfall abzielt. Die kahlen Stellen werden dabei mit UV-A-Licht bestrahlt, um den Angriff der Haarwurzeln durch Immunzellen zu stoppen. So effektiv diese Behandlung auch ist, so viel Aufwand bringt dieser Therapieansatz mit sich. Zudem ist das Rückfallrisiko sehr hoch.

Lesetipp: Viele Mittel und Hausmittel finden sich in unserer Kategorie „Mittel gegen Haarausfall„.

Zahlt die Krankenkasse?

Bedauerlicherweise gibt es keine einheitlichen Regelungen, was die Übernahme der Kosten durch gesetzliche Krankenkassen betrifft. Viele Krankenkassen übernehmen die Bezuschussung ausschließlich im Rahmen von Bonusprogrammen. Zum Beispiel Folgende:

Folgende Krankenkassen übernehmen die Kosten für Behandlungen gegen Haarausfall zu 100 Prozent:

Allerdings gibt es auch zahlreiche Krankenkassen, welche die Kostenübernahme generell ablehnen. Dazu gehören unter anderem:

  • AOK Nordost
  • AOK NORDWEST
  • AOK Bremen/Bremerhaven
  • AOK – Die Gesundheitskasse für Niedersachsen
  • BARMER
  • BKK Werra-Meissner
  • VIACTIV Krankenkasse
  • BKK firmus
  • BKK EUREGIO
  • actimonda krankenkasse
  • Bosch BKK
  • BKK VerbundPlus
  • BKK Freudenberg

Was kann ich sonst noch tun?

Grundsätzlich ist es wichtig, das Haar pfleglich zu behandeln. Beispielsweise mögen es Haare nicht, nach dem Waschen mit dem Handtuch trockengerubbelt zu werden. Auch das Kämmen von nassen Haaren ist für den Haarerhalt nicht förderlich. Bei längeren Haaren solltest du zudem darauf achten, in den Spitze zu beginnen. Arbeite dich mit dem Kamm von unten nach oben durch, um nicht unnötig Haare auszureißen. Am besten nutzt du dafür einen sogenannten „Tangle Teezer“. Dabei handelt es sich um eine Kunststoffbürste ohne Griff, mit flexiblen Borsten. Diese sorgt dafür, dass kaum Haare ausgerissen werden können.